Forschungsübung im Rahmen eines Mercator Fellowships
Gen Brasilien im 17. Jahrhundert.
Die Darstellung der neuen Tier-, Pflanzen- und Menschenwelt in den Reiseberichten Hans Stadens, Caspar Schmalkaldens und Zacharias Wageners

Würzburg, 16.–18. Okt. 2023
Was haben die Kunstgeschichte, die Latinistik und die Germanistik gemeinsam? Von dem Offensichtlichen einmal abgesehen, zunächst nicht allzu viel, und doch bot sich kürzlich Studierenden und (Post)-Doktorand:innen ebenjener Fachrichtungen eine seltene und perspektivenreiche Gelegenheit zu einer gemeinsamen Reise über Zeit-, Raum- und Kulturgrenzen hinweg. Und so setzten wir am 16. Oktober Anno Domini 2023 unter Leitung des SPP-Mercator Fellows Prof. Dr. Álvaro Bragança (Rio de Janeiro, UFRJ) die Segel und stachen in See.Doch statt „Gen Narragonia” hieß es für unsere multiakademische, interdisziplinäre Reisegesellschaft „Gen Brasilien”, und zwar auf die einzige Art und Weise, die auch dem mehrheitlichen Teil der Bevölkerung in der Alten Welt offen stand – mittels der Berichte und Aufzeichnungen anderer. Ausgehend vom Brasilienbericht Hans Stadens aus dem 16. Jahrhundert, über die wundersamen Reisen des Caspar Schmalkalden (1642-1652) bis hin zum Thierbuch von Zacharias Wagner (1634-1637) erkundeten wir so, wie einst das historische Publikum vier Jahrhunderte vor uns, die Tier-, Pflanzen und Menschenwelt Brasiliens. Wir Studierende waren dabei zwar mit 4 zu 5 in der Unterzahl, doch betitelte Herr Bragança uns alle gleichermaßen als seine „werten Kollegen und Kolleginnen” und schuf damit, sowie durch seine herzliche, humorvolle und mitunter selbstironische Art eine Atmosphäre des Auf-Augenhöhe-Seins, die man so wohl nur selten in einer universitären Veranstaltung findet. Doch anstatt Ihnen nun in aller Ausführlichkeit von unserem Gesprächsthema Nummer 1, der Anthropophagie der brasilianischen Ureinwohner, zu berichten, und Ihnen damit womöglich den Appetit zu verderben, zu guter Letzt die Konzentration auf das Wesentliche, das, was dieses Blockseminar so einzigartig gemacht hat: den von Herrn Bragança angeregten intra- und interdisziplinären Dialog, der zu einer nicht unerheblichen Menge an Hypothesen – und dem womöglich ein oder anderen künftigen Dissertations- bzw. Masterarbeitsthema – geführt hat. Seinen Bemühungen ist es zu verdanken, dass Mediävist:innen verschiedener Disziplinen zusammenfanden, um sich in äußerst produktiven, fachlichen Diskussionen zu ergehen. Und ist nicht gerade das auch eines der erklärten Ziele des Schwerpunktprogramms – kulturwissenschaftliche Brücken zu bauen?
Würzburg, 16–18 Oct. 2023
What do art history, Latin studies, and German studies have in common? Outside the obvious, not all that much at first sight. And nevertheless, a group of undergraduates and doctoral and post-doctoral candidates from those very disciplines recently had a rare and eye-opening opportunity to go on a voyage together across temporal, spatial, and cultural boundaries. On 16 October Anno Domini 2023, with SPP Mercator Fellow Prof Dr Álvaro Bragança (Rio de Janeiro, UFRJ) at the helm, we set sail and put out to sea. For our multi-academic, interdisciplinary party, however, it wasn’t “We’re off to Narragonia”, but “We’re off to Brazil”—by the only means available to the majority of the Old World’s population: the reports and notations of others. With the aid of accounts ranging from Hans Staden’s sixteenth-century report on Brazil to the wondrous journeys of Caspar Schmalkalden (1642–1652) to Zacharias Wagner’s Thierbuch, we explored the flora, fauna, and humanity of Brazil in exactly the same way the historical readership did four centuries before us. At a ratio of 4 to 5, we undergraduates may have been in the minority, but Mr Bragança addressed us all as his “valued colleagues”. In combination with his warmth, sense of humour, and occasional dash of self-irony, that made for an eye-level atmosphere not often experienced at university events. But rather than reporting in all detail on our discussion topic no. 1 – the anthropophagy of the indigenous Brazilians –, most likely spoiling your appetite in the process, I’d like to call your attention to the essence, to what made this block seminar so unique. It was the intra/interdisciplinary dialogue Mr. Bragança inspired, which led to no paltry number of hypotheses – and quite possibly the one or other future doctor’s or master’s thesis topic. We have his efforts to thank for the fact that medievalists of various disciplines found their way to one another to indulge in extremely productive discussion on specialist subjects. And isn’t that one of the declared aims of the priority programme – to build bridges between cultural studies disciplines?
Bericht / Report: Katharina Hess
Abbildung: Ein westindianischer Rabe, aus: Wolfgang Joost (Hrsg.): Die wundersamen Reisen des CASPAR SCHMALKALDEN nach West- und Ostindien 1642-1652, Leipzig 1983. Bildquelle
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Jana Sauter-Späth (16. November 2023). Forschungsübung im Rahmen eines Mercator Fellowships. Übersetzungsgeschichte(n). Abgerufen am 6. Oktober 2026 von https://doi.org/10.58079/vwbg
